Das Zisterzienserstift Zwettl
Gestern war ich mit der Wagramer Gemeinschaft im Zisterzienser-Stift Zwettl, wo wir auch an einer mehr als 1‑stündige Führung teilnahmen.
Am Ende des 11. Jahrhundert entstand in den Sümpfe von Cîteaux ein Kloster, dessen Ziel die Rückkehr zu den Wurzeln des Mönchtums getreu der Regel des Hl. Benedikt war. Daraus entwickelte sich der Zisterzienserorden, eine Abspaltung von den Benediktinern. Mit dem Eintritt des jungen adeligen Bernhard von Fontaines (1113) und 30 seiner Gefolgsleute erfuhr das Kloster von Cîteaux und damit auch der Zisterzienserorden einen enormen Aufschwung. Das war der Beginn einer großen Anzahl von Klöstern.
Das Stift Zwettl war die 3. Gründung eines Zisterzienserklosters in Österreich. Es wurde 1138 durch Hadmar I. von Kuenring mit Unterstützung von Stift Heiligenkreuz gestiftet.
Der Sage nach wurde die Auswahl des Ortes durch die Himmelskönigin bestimmt.
Und so erzählt es die Sage
Als Hadmar sich den Kopf zerbrach, wo er einen guten, dem Stil der Zisterzienser entsprechenden Ort zur Klosterbau finden könnte, erschien ihm zu Silvester die Mutter Gottes. Sie befahl ihm, er solle sich mit Hermann, dem ersten Abt, in den nächsten Wald begeben. An dem Ort, wo sie einen grünen und zugleich fruchttragenden Baum finden würden, sollten sie das neue Kloster anlegen. Die selbe Vision hatte auch Abt Hermann in der Nacht zum Neujahrstag 1139.
Noch am selben Tag ritten die beiden in den Wald am Kamp und fanden nach längerer Suche unter verschneiten, laublosen Bäumen einen schönen, grünen und fruchttragenden Eichenbaum, dessen Wipfel einem Kreuz zu gleichen schien. Nach der nötigen Rodung fing sofort der Bau des Klosters und der Kirche an diesem Ort an. Zum ewigen Andenken an den Fund des richtigen Orts wurde der Hochaltar an den Platz gesetzt, an dem der grünende Eichenbaum gestanden hatte. Der Stifter soll danach dem neuen Stift so viel des umliegenden Grundes übertragen haben, wie er in Begleitung des Abtes Hermann in einem Tag umreiten konnte.
Und jetzt zurück zur Geschichte
Von der Auswahl des Platzes dauerte es 20 Jahre bis zur Weihe der ersten romanischen Klosterkirche (1159). Nach der weitgehenden Zerstörung des Klosters im frühen 15. Jahrhundert (1427) durch die Hussiten wurde die Kirche im gotischen Stil wiederaufgebaut und 1490 fertiggestellt. Generell waren das 15. und 16. Jahrhundert eine herausfordernde Zeit für das Kloster in Zwettl.
Ab Mitte des 16. Jh. setzte eine Periode der Erneuerung ein. Das Kloster wurde von tüchtigen Äbten geleitet, die es zu neuer Blüte führten. Vor allem in der Barockzeit werden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die Stiftsgebäude vollkommen umgestaltet. Es entsteht der barocke Bibliothekssaal mit Gemälden von Paul Troger. Die Kirche und auch der Kirchturm werden unter Beteiligung von Joseph Mungenast modernisiert und im Innern kostbar ausgestattet. Paul Troger gestaltete die Deckenfresken im barocken Bibliothekssaal.
Unter dem Druck der Reformen Josephs II. erfolgte Ende des 18. Jahrhundert eine vermehrte Zuwendung zur Seelsorge statt. Die Gründung eines Gymnasiums scheiterte. Das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit unbeschadet.
Umfangreiche Renovierungsarbeiten die mit der Kirchenrenovierung 2013 ihren Abschluss finden lassen das Stift in neuem Glanz erstrahlen.
Unsere Führerin war eine sehr nette, gut informierte junge Frau, die auch über lange Zeit eine erstaunliche, dem älteren Publikum angemessene Lautstärke beibehalten konnte. Bei der Führung hat sie uns sehr viel über die Zisterzienser, ihr Entstehen, aber auch über das Stift selbst erzählt. Es war auch erstaunliches dabei, auf das man ohne Führung nie kommen würde und von dem auch vieles nicht über Internetquellen zu finden ist.
Ich kann jeder / jedem nur raten, sich selbst ein Bild zu machen und das Stift Zwettl mit einer Führung zu besuchen.







