Das Zister­zi­en­ser­stift Zwettl

von | 29. März 2026 | Nieder­ös­ter­reich

Gestern war ich mit der Wagra­mer Gemein­schaft im Zister­zi­en­ser-Stift Zwettl, wo wir auch an einer mehr als 1‑stündige Führung teilnah­men.

Am Ende des 11. Jahrhun­dert entstand in den Sümpfe von Cîteaux ein Kloster, dessen Ziel die Rückkehr zu den Wurzeln des Mönch­tums getreu der Regel des Hl. Benedikt war. Daraus entwi­ckelte sich der Zister­zi­en­ser­or­den, eine Abspal­tung von den Benedik­ti­nern. Mit dem Eintritt des jungen adeli­gen Bernhard von Fontai­nes (1113) und 30 seiner Gefolgs­leute erfuhr das Kloster von Cîteaux und damit auch der Zister­zi­en­ser­or­den einen enormen Aufschwung. Das war der Beginn einer großen Anzahl von Klöstern.

Das Stift Zwettl war die 3. Gründung eines Zister­zi­en­ser­klos­ters in Öster­reich. Es wurde 1138 durch Hadmar I. von Kuenring mit Unter­stüt­zung von Stift Heili­gen­kreuz gestif­tet.

Der Sage nach wurde die Auswahl des Ortes durch die Himmels­kö­ni­gin bestimmt.

Und so erzählt es die Sage

Als Hadmar sich den Kopf zerbrach, wo er einen guten, dem Stil der Zister­zi­en­ser entspre­chen­den Ort zur Kloster­bau finden könnte, erschien ihm zu Silves­ter die Mutter Gottes. Sie befahl ihm, er solle sich mit Hermann, dem ersten Abt, in den nächs­ten Wald begeben. An dem Ort, wo sie einen grünen und zugleich frucht­tra­gen­den Baum finden würden, sollten sie das neue Kloster anlegen. Die selbe Vision hatte auch Abt Hermann in der Nacht zum Neujahrs­tag 1139.

Noch am selben Tag ritten die beiden in den Wald am Kamp und fanden nach länge­rer Suche unter verschnei­ten, laublo­sen Bäumen einen schönen, grünen und frucht­tra­gen­den Eichen­baum, dessen Wipfel einem Kreuz zu gleichen schien. Nach der nötigen Rodung fing sofort der Bau des Klosters und der Kirche an diesem Ort an. Zum ewigen Andenken an den Fund des richti­gen Orts wurde der Hochal­tar an den Platz gesetzt, an dem der grünende Eichen­baum gestan­den hatte. Der Stifter soll danach dem neuen Stift so viel des umlie­gen­den Grundes übertra­gen haben, wie er in Beglei­tung des Abtes Hermann in einem Tag umrei­ten konnte.

Und jetzt zurück zur Geschichte

Von der Auswahl des Platzes dauerte es 20 Jahre bis zur Weihe der ersten romani­schen Kloster­kir­che (1159). Nach der weitge­hen­den Zerstö­rung des Klosters im frühen 15. Jahrhun­dert (1427) durch die Hussi­ten wurde die Kirche im gotischen Stil wieder­auf­ge­baut und 1490 fertig­ge­stellt. Generell waren das 15. und 16. Jahrhun­dert eine heraus­for­dernde Zeit für das Kloster in Zwettl.

Ab Mitte des 16. Jh. setzte eine Periode der Erneue­rung ein. Das Kloster wurde von tüchti­gen Äbten gelei­tet, die es zu neuer Blüte führten. Vor allem in der Barock­zeit werden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhun­derts die Stifts­ge­bäude vollkom­men umgestal­tet. Es entsteht der barocke Biblio­theks­saal mit Gemäl­den von Paul Troger. Die Kirche und auch der Kirch­turm werden unter Betei­li­gung von Joseph Mungen­ast moder­ni­siert und im Innern kostbar ausge­stat­tet. Paul Troger gestal­tete die Decken­fres­ken im barocken Biblio­theks­saal.

Unter dem Druck der Refor­men Josephs II. erfolgte Ende des 18. Jahrhun­dert eine vermehrte Zuwen­dung zur Seelsorge statt. Die Gründung eines Gymna­si­ums schei­terte. Das Stift die beiden Weltkriege und die NS-Zeit unbescha­det.

Umfang­rei­che Renovie­rungs­ar­bei­ten die mit der Kirchen­re­no­vie­rung 2013 ihren Abschluss finden lassen das Stift in neuem Glanz erstrah­len.

Unsere Führe­rin war eine sehr nette, gut infor­mierte junge Frau, die auch über lange Zeit eine erstaun­li­che, dem älteren Publi­kum angemes­sene Lautstärke beibe­hal­ten konnte. Bei der Führung hat sie uns sehr viel über die Zister­zi­en­ser, ihr Entste­hen, aber auch über das Stift selbst erzählt. Es war auch erstaun­li­ches dabei, auf das man ohne Führung nie kommen würde und von dem auch vieles nicht über Inter­net­quel­len zu finden ist. 

Ich kann jeder / jedem nur raten, sich selbst ein Bild zu machen und das Stift Zwettl mit einer Führung zu besuchen.